"Ich bin diese Schlampe" - Warum wir manchmal als Zweitwahl leben

"Fühlst du dich nicht schlecht?". Diesen Satz habe ich in den letzten Monaten unzählige Male gehört. Nebenbei: Nein, tue ich nicht. Wir sind gute Freunde. Mit Extras.  Zu meinem Glück hat mein seelischer Schutzmechanismus den Vorgang "verlieben" direkt abgeblockt. Denn ich wusste ja: nach einigen Jahren Beziehung mit seiner Freundin und unzähligen andere Affairen brauch ich garnicht erst anfangen mir sinnlose Hoffnungen im Kopf zu stricken. Ich bin nicht der Typ Frau der sich abhängig macht oder irgendwelche Spielchen spielt. Aber es gibt diese Momente im Leben, wo man eine Spannung spürt, in diesem Fall sexueller Natur, wo man seine Prinzipien einfach über Bord wirft. Die Folge war, dass all die Leute die sich schonmal in der Situation der Betrogenen befanden, mir Moralpredigten hielten und selbst meine besten Freunde es nicht glauben wollten, dass ich mich nicht verliebt habe. Muss man sich dafür rechtfertigen, sein Glück, um nicht zu sagen seine Befriedigung, im kurzweiligen Moment als "die Geliebte" zu suchen? Ich denke nein. Ich betrüge hier niemanden, ausser mich selber vielleicht. Da sind wir auch schon beim Punkt, der Punkt an dem ich verallgemeinern kann, warum ich nicht die Einzige bin die als ewige Zweite vor sich hinlebt. Ganz nach dem Motto "Jeder ist auf der Suche nach dem Richtigen aber auf dem Weg dorthin kann man auch mal Spaß mit dem Falschen haben." Ich kann mich weder auf Studien beziehen, noch vollkommen pauschalisieren. Aber ich denke der Reiz die Affaire zu sein ist die Angel der gebrochenen Herzen, mit der sie hoffen ein wenig Bestätigung an Land zu ziehen. Bestätigung begehrenswert zu sein, auch wenn in den letzten 3 Jahren nicht ein Mann zurückgerufen hat. Bestätigung zu haben, in gewisser Hinsicht "besser" als die Erstwahl zu sein, vielleicht nur nicht in Herzensangelegenheiten. Wir flüchten uns in kurzweilige Glücksmomente, glauben dort die Erfüllung zu finden, doch oftmals findet man sich nur triefend vor Selbstmitleid wieder, während man einsieht, dass man eigentlich so viel mehr haben sollte. Und dann kommen Fragen auf, die zu Zweifel und noch mehr Selbstmitleid führen. Der Teufelskreis beginnt spätestens dann, wenn wir aus diesem Zweifel ausbrechen, in dem wir wieder die körperliche Nähe zu Männern suchen, die vor all dem was hinter "körperlicher Nähe" steht das große Stopp-Schild aufgebaut haben. Apropos Teufelskreis: sobald wir einmal der unerträglichen Abstinenz mit "Verbotenem" die Kehle zuschnüren, kann es nicht mehr lange dauern bis der Satz "lieber halb als garnicht" zur Lebensweisheit wird, "krallt euch was ihr kriegen könnt". An diesem Punkt ist niemand mehr unerreichbar, wir sind quasi für jeden und alles zu haben, und wie inzwischen jeder mitbekommen haben dürfte, sind Frauen um die man sich bemühen muss am begehrenswertesten (sagt Martin, 30, und Thorsten, 19, und Stephan, 23, und Helmut, 56, und Jens, 16....usw). Tja, einmal Zweitwahl immer Zweitwahl. Meine letzte Hoffnung lege ich in den Mann, der mein Potenzial sieht, für ihn die Erstwahl zu sein. Der Mann der versteht, dass man die Zweitwahl auch nur für die Männer ist, die man selber als die Zweitwahl sieht.

26.12.10 19:33

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